Wochenende der Gregorianik 2013 - Kirchenmusik Vilsbiburg

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Wochenende der Gregorianik 2013

Faszinierende Choräle

Drei Tage Gregorianik beeindruckten zahlreiche Besucher


Vilsbiburg. Von Freitag bis Sonntag letzter Woche stand Vilsbiburg ganz im Zeichen des Gregorianischen Chorals. Den Beginn machte am Freitagabend Stefan Metz mit einem Vortrag über die Geschichte, Notation und Mystik der Gregorianik. Hierbei verwies er auf die jüdischen Wurzeln der Gesänge, ging auf deren Entwicklung über die Jahrhunderte hinweg ein und zeigte an einigen Beispielen die besonderen Merkmale in der Notation. Er stellte auch einige Zeichen vor, die den Beginn der abendländischen Musikaufzeichnung markieren. Zum Schluss gab er noch einen Einblick in die Mystik des Gregorianischen Chorals und erläuterte, was die Gesänge für uns heute bedeuten können und in welchem Kontext sie heute oft verwendet werden. Kritisch äußerte er sich zur Verwendung der liturgischen Gesänge als Mittel der Unterhaltung und moderner „chill-out-Musik“ und betonte, dass die Gesänge in erster Linie gesungene Gebete darstellen und eng mit den Worten der heiligen Schrift verbunden seien.

Am Samstag folgte der groß angelegte Konzertabend mit dem Titel „Der Messias – das Leben Jesu im Gregorianischen Choral“, ein Konzertabend, der zum Ziel hatte, das Christusmysterium auf neue Weise zu erfahren. Hierbei waren vier Kirchen die Stationen der einzelnen Konzertteile: Zu Beginn erklangen Gesänge aus der Adventszeit in der Wallfahrtskirche Maria-Hilf. Die Schola Gregoriana Vilsbiburg (Raimund und Tobias Hauser, Bernhard Häglsperger, Wolfgang und Stephan Priller) beeindruckte bereits hier mit äußerst homogenem Klang und feiner Nuancierung jedes Wortes. In besonderer Weise fiel auf, dass nahe am Text interpretiert wurde – den Inhalt der Gesänge konnte man im Programmheft mühelos mitverfolgen. Angela Metzger, die Organistin des Konzertabends, verstand es jederzeit, mit frischer artikulation und fein abgestimmter Registrierung das Programm abwechslungsreich und farbig zu gestalten. Ihre Souveränität und professionelle Musikalität wurde im Laufe des Abends auch dadurch deutlich, dass sie sich scheinbar problemlos auf den jeweils wechselnden Raum und die anderen Instrumente einstellen konnte.
Der zweite Teil fand um 20 Uhr in der Karmelitenkirche St. Josef statt. Hier standen Gesänge und Orgelwerke der Weihnachtszeit auf dem Programm. Außerdem waren Stücke zusammen mit Schola und Orgel zu hören, eine Praxis, die man früher „alternatim“, d.h. abwechselnd, nannte. Nach diesem Teil machten sich die rund 150 Zuhörer wieder auf den Weg zur nächsten Station, der Spitalkirche Heilig-Geist. In besonderer Weise wurde hier spürbar, was es auch mit den Ortswechseln auf sich hatte: Der Lebensweg Jesu und die Feste des Kirchenjahres sollten aktiv gegangen werden. An sich eine gute Idee, denn die Pausen boten die Möglichkeit zu Gesprächen, sich über das Gehörte zu unterhalten - würde da nicht der insgesamt vierstündige „Choral-Marathon“ eher an den Besuch einer Wagner-Oper erinnern statt an ein Konzert mit Gregorianik. Doch dieser Eindruck verschwand nach dem Beginn des dritten Teiles wieder, der die Fastenzeit zum Thema hatte. Der Introitus „Laetare Ierusalem“ (Eingangsgesang einer Messfeier) gelang der Schola mit Schwung und ließ schon etwas von der nahenden Osterfreude erkennen. Besonders ergreifend: das Graduale „Christus factus est“ mit dem eindrucksvoll gesungenen Solovers von Bernhard Häglsperger. Angela Metzger stellte auch hier wieder ihr Können unter Beweis und musizierte auf der historischen Orgel der Spitalkirche durchwegs ohne Mühen erkennen zu lassen. Mit dem Hymnus „Crux fidelis“, der am Karfreitag zur Kreuzverehrung gesungen wird, schloss dieser Teil mit einem der schönsten Hymnentexte des frühen Christentums.
Der vierte und letzte Teil fand um 22 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Thema war hier der Höhepunkt des Kirchenjahres, das Osterfest. Gleich zu Beginn wurde mit dem „Lumen Christi“ und der darauffolgenden „Incantation“, ein Orgelwerk des französischen Komponisten Jean Langlais, die Osterfreude spürbar. Mit dem Canticum nach der siebten Lesung und direkt anschließendem Gloria wurde auch der liturgische Ablauf der Osternacht erkennbar. Die Ostersequenz, wiederum herrlich homogen und gut artikuliert von der Schola Gregoriana Vilsbiburg vorgetragen, beendete den Osterzyklus. Hier wurde ein Umstand ganz besonders deutlich: nicht nur die Orgeln, auch die Akkustik war in jedem Kirchenraum anders zu vernehmen, doch hier wurde der Unterschied besonders bewusst, da die Stadtpfarrkirche geradezu wie geschaffen für Gregorianik zu sein schien. Als letzter Teil standen zwei Gesänge zu Christi Himmelfahrt auf dem Programm. Ergänzt wurde die Gesänge mit zwei Stücken aus dem Orgelzyklus „L´assencion“ (Die Himmelfahrt) von Olivier Messiaen. Dieser Zyklus gehört mit zu den schwersten Stücken für Orgel überhaupt, technisch tadellos und schön musiziert von Angela Metzger. Lang anhaltender Applaus waren der Dank der zahlreichen Besucher für mehrere Stunden beeindruckenden Choralgesang und Orgelmusik.

Das Wochenende schloss am Sonntag mit einem Choralamt um 9 Uhr in der Stadtpfarrkirche, bei dem die enge Verbindung der Gregorianik mit der Liturgie deutlich wurde.

Vilsbiburger Zeitung vom 21.6.2013

 
 
 
 
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