2011 - Kirchenmusik Vilsbiburg

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2011

Gesungene Gebete
Über die "Lange Nacht der Kirchenmusik" in der Stadtpfarrkirche Vilsbiburg


„ Kulturnächte“ gibt es inzwischen in vielen europäischen Städten – Ausstellungsnächte, Museumsnächte, Architekturnächte und ähnliches. Aber eine „ Lange Nacht der Kirchenmusik“ ist noch etwas Besonderes und lässt sich nicht oft auf einer Landkarte finden. Dank der Initiative des rührigen und hochmotivierten Kirchenmusikers Stefan Metz konnten Hunderte von Zuhörern in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche Vilsbiburg teilnehmen an sechs Konzerten in sieben Stunden bis frühmorgens um zwei Uhr – und die meisten Besucher blieben bis zum Ende der Veranstaltung.
Stefan Metz schreibt im Vorwort des informativen Programmheftes: „Welchen Sinn hat nun eine „ Lange Nacht der Kirchenmusik“ ? Kirchenmusik ist und bleibt gesungenes Gebet – egal, ob im liturgischen oder konzertanten Kontext.“
Das aktuelle musikalische Nachtprogramm umfasste die Bandbreite christlicher Kirchenmusik vom Gregorianischen Choral bis zu „ Neue geistliche Lieder“ mit allerlei Instrumentalbegleitung. Chormusik aus fünf Jahrhunderten, Kammermusik, moderne Klaviermusik und Lichtinstallation, Bläsermusik  und Orgelmusik – eine Vielfalt des Angebotes, das die Zuhörer in Bann zog und den Verlauf der musikalischen Nacht abwechslungsreich und kurzweilig gestaltete, unterbrochen von zwei längeren Pausen, in denen  Ministranten Nahrung und Getränke im Pfarrheim anboten.
Das insgesamt bemerkenswerte hohe Niveau der musikalischen Interpretationen war das eine – das andere war das musikalische Zusammentreffen verschiedener Chöre, von ihren Leiterinnen bestens vorbereitet. Kinderchöre, Jugendchor, Frauenchor Scola de Lumine und Kirchenchor der Pfarrsingschule Vilsbiburg (Alexandra Lainer) wechselten sich ab mit dem Bergchor der Wallfahrtskirche (Hannelore Vogelgsang) und dem Kirchenchor der Evangelischen Gemeinde Vilsbiburg (Marita Maierholzner).
Die musikalische Hausherrin der Stadtpfarrkirche Alexandra Lainer und Stefan Metz führten die Chöre auch in gemeinsam musizierten Werken zusammen und wurden dabei von einem Streichquartett mit Birgit Adolf, Dr. Hubertus Enzler, Eva Sadlo und Karl-Heinz Sadlo unterstützt.
Die Gesangssolisten Laura Faig, Ute Feuerecker und Karolin Denzer bereicherten mit ihren ausgebildeten Solostimmen das Programm und setzten mit ihrem wertvollem Stimmmaterial Glanzpunkte.
Stefan Metz hatte zur „geistlichen Kammermusik“ Freunde von der Musikhochschule München eingeladen: Laura Faig (Sopran), Johannes Strake (Violine) und Johannes König (Violoncello). Zu Arien von G. Fr. Händel und J. S. Bach  und zwei Sonaten aus dem Rosenkranzsonatenzyklus von H. J. Biber begleitete Stefan Metz an der kleinen, aber feinen Positiv-Orgel seine Gäste. Diesen barocken Leckerbissen stellten Strake und König ein Duo des modernen Komponisten Zoltàn Kodàly gegenüber, wunderschön musiziert mit dynamischer Differenzierung und prächtigem Streicherton.
Die Idee des Kontrastes wurde auch deutlich bei der eindrucksvollen Interpretation Gregorianischer Choräle im Wechsel mit moderner Klaviermusik. Die Schola Gregoriana Vilsbiburg (Raimund Hauser, Bernhard Häglsperger, Stefan Metz, Franz Schuller) beeindruckte mit vorzüglichem Gesang zutiefst die Zuhörer und Pfarrer Michael Lenk führte bravourös mit moderner „Minimal Music“ diese Meditation in unsere Neuzeit. Dazu illuminierte eine Lichtinstallation (Tobias Gmeineder) die Apsis des Gotteshauses, es entstand die Illusion einer riesigen gotische Kathedrale. Die Verbindung von Musik, Architektur und Licht war von nachhaltiger Wirkung.
Mit festlicher Bläsermusik  Vilsbiburger Blechbläser unter der Leitung von Rolf-Ulrich Denzer und mit den beiden Solotrompeter Tobias Hauser, Bernhard Häglsperger und  Stefan Metz an der Orgel begann der neue Tag mit frischem und mächtigem Klang – und die Kirche war immer noch voll besetzt. Barockmusik und Moderne standen auf dem Programm des renommierten Ensembles aus der Evangelischen Gemeinde. Auch hier wurde der Gedanke ökumenischer Kirchenmusik deutlich, eine Besonderheit dieser Musiknacht.
Initiator, Spiritus Rector, Dirigierstudent an der Musikhochschule München und Student der Musikwissenschaft an der Universität München Stefan Metz interpretierte noch J. S. Bachs berühmte Toccata und Fuge in d-moll mit virtuoser Rasanz an der großen Orgel und improvisierte zum Abschluss der „Langen Nacht der Kirchenmusik“ souverän über volksreligiöse Abend- und Nachtlieder und gab damit den Zuhörern einen musikalischen Gruß mit zum frühmorgenlichen Nachhauseweg.
Heinz Loher in der "Vilsbiburger Zeitung" vom 25.7.2011

 
 

"Singe Seele, Gott zum Preise" (G. F. Händel) Ausschnitt
Laura Faig, Sopran; Johannes Strake, Violine; Johannes König, Cello;
Stefan Metz, Orgel

 
 
 
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